I.A.S.P.E.

Int. Gesellschaft für Chirurgische Prothetik und Epithetik e.V.

  • Vortrag

Am 09.10.2026 um 11:45 Uhr

(V-3) „Nasenkarzinome im demographischen Wandel – eine unizentrische, retrospektive Analyse der letzten 20 Jahre“

Referent: Dr. Tracy Kolz I Heidelberg, DE

Zusammenfassung:

Hintergrund:
Im klinischen Alltag zeigt sich eine zunehmende Zahl von Patienten mit malignen Tumoren der Nasenhaupthöhle. Ziel dieser Studie war es, die Entwicklung der Erstdiagnosen von Karzinomen der Nasenhaupthöhle über einen Zeitraum von 20 Jahren zu untersuchen und mögliche Einflussfaktoren für die beobachtete Zunahme zu analysieren.

Methoden:
In einer unizentrischen, retrospektiven Analyse wurden alle Patienten mit Erstdiagnose eines Karzinoms der Nasenhaupthöhle zwischen 2005 und 2025 erfasst. Analysiert wurden demographische und histopathologische Charakteristika, Tumorlokalisation, Tumorstadium sowie die durchgeführten operativen und rekonstruktiven Therapieverfahren. Darüber hinaus wurde die Entwicklung der jährlichen Erstdiagnosen untersucht und im Kontext möglicher demographischer und epidemiologischer Einflussfaktoren betrachtet.

Ergebnisse:
Insgesamt wurden 237 Patienten eingeschlossen. Das Geschlechterverhältnis betrug etwa 2:1 zugunsten der Männer und entsprach damit den in der Literatur beschriebenen Verhältnissen. Histologisch dominierten Plattenepithelkarzinome (71 %), gefolgt von Adenokarzinomen (5 %), Olfaktoriusneuroblastomen (4 %) und malignen Melanomen (4 %). Die Tumorstadien zeigten keine Normalverteilung, sondern eine U-förmige Verteilung mit Häufung sowohl früher als auch fortgeschrittener Stadien. Soweit aus den Operationsberichten ersichtlich, lag der Tumorursprung in 35 % der Fälle in der Nasenhaupthöhle und in 31 % im Bereich von Vestibulum, Nasenseptum oder Nasendach.

In der Therapie wurden 37 % der Patienten epithesenversorgt, bei 20 % erfolgte eine Rekonstruktion mittels verschiedener Lappenplastiken und bei 9 % mittels lokaler autologer Transplantate. 12 % der Tumoren wurden endoskopisch und weitere 12 % über eine laterale Rhinotomie reseziert. Patienten mit primär strahlentherapeutischer Behandlung (u. a. RCT, IMRT oder Brachytherapie) wurden im weiteren Verlauf im Mittel am seltensten operiert. Patienten mit Epithesenversorgung unterzogen sich im Mittel etwas mehr als zwei Operationen, während bei Patienten mit Lappenrekonstruktionen bis zu zehn operative Eingriffe erforderlich waren.

Die Zahl der Erstdiagnosen zeigte über den Untersuchungszeitraum einen kontinuierlichen Anstieg von durchschnittlich etwa 0,5 Fällen pro Jahr. Während der COVID-19-Pandemie kam es vorübergehend zu einem deutlichen Rückgang der Fallzahlen. Die Erweiterung des Einzugsgebiets während der Jahre unter Prof. Federspil kann den Anstieg teilweise erklären, jedoch nicht vollständig. Auch der demographische Wandel mit einem Zuwachs von etwa 6,3 Millionen Menschen in der Altersgruppe über 50 Jahre reicht als alleinige Erklärung nicht aus.

Schlussfolgerung:
Die vorliegende unizentrische Analyse zeigt einen deutlichen Anstieg der Erstdiagnosen von Karzinomen der Nasenhaupthöhle über die vergangenen 20 Jahre. Neben einer Erweiterung des Einzugsgebiets und dem demographischen Wandel scheinen weitere epidemiologische Faktoren eine Rolle zu spielen. Trotz eines rückläufigen Nikotinkonsums könnten langjährige Expositionen, insbesondere gegenüber inhalativen Noxen und beruflichen Karzinogenen wie Hartholzstäuben, zu der beobachteten Entwicklung beitragen. Präventionsmaßnahmen könnten aufgrund langer Latenzzeiten möglicherweise erst zeitverzögert einen Effekt zeigen. Auch eine veränderte berufliche Exposition von Frauen sowie virale Faktoren, insbesondere HPV, und genetische Veränderungen sind als mögliche Einflussgrößen zu diskutieren. Aufgrund der retrospektiven Datenlage und der teilweise fehlenden Testung entsprechender Faktoren kann deren tatsächlicher Einfluss in der vorliegenden Kohorte jedoch nicht abschließend beurteilt werden.

Referent: 

  • Dr. Tracy Kolz

Einrichtung / Institut / Klinik: 

  • Universitätsklinikum Heidelberg
  • Hals-, Nasen- und Ohrenklinik
  • Heidelberg, DE

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