I.A.S.P.E.

Int. Gesellschaft für Chirurgische Prothetik und Epithetik e.V.

  • Vortrag

Am 09.10.2026 um 10:15 Uhr

Keynote I: Überlegungen zur Fixierung von Gesichtsprothesen bei bestrahlten Patienten: 
Vor, während und nach der Strahlentherapie bei Kopf-Hals-Tumoren

Referent: Erin O’Fiel Stevens I Chicago, USA

Zusammenfassung:

Es ist erwiesen, dass die Strahlentherapie bei Kopf-Hals-Tumoren eine wirksame adjuvante Maßnahme zur Reduzierung von Krebszellen darstellt. Wird die Strahlentherapie ergänzend zur chirurgischen Entfernung von Kopf-Hals-Tumoren eingesetzt, müssen bei der Planung und Beurteilung einer wirksamen, sicheren und komfortablen Verankerung von Gesichtsprothesen die kurz- und langfristigen Auswirkungen auf die Gewebeheilung und -stabilität berücksichtigt werden. Das Risiko strahlenbedingter Komplikationen sowie deren Schweregrad können variieren – abhängig von den bestrahlten anatomischen Bereichen, der verabreichten Dosis sowie dem Zeitpunkt und der Dauer der Bestrahlung. Komplikationen, die während oder nach der Bestrahlung auftreten können – etwa Osteoradionekrose, Fibrose, gestörte Wundheilung, Hautempfindlichkeit oder Lymphödeme –, können den Komfort des Patienten sowie dessen Fähigkeit, alltägliche Aktivitäten wieder aufzunehmen, erheblich beeinträchtigen. Auch die Auswirkungen der Strahlentherapie auf die intraorale Gesundheit und Funktionalität müssen beachtet werden, insbesondere bei der Gestaltung von Mittelgesichtsprothesen; denn der Umgang mit intraoralen Komplikationen wie Speichelverlust, Zahnlosigkeit oder Kieferklemme (Trismus) kann direkten Einfluss auf Passform, Halt und Handhabung der Prothese haben. Bei der Gestaltung einer Gesichtsprothese ist es entscheidend, die Ausprägung strahlenbedingter Symptome und deren Auswirkungen auf das Patientenempfinden – auch über die Ränder der Prothese hinaus – zu berücksichtigen. Beeinträchtigungen der Fähigkeit zu essen, zu schlucken, zu sprechen, zu atmen, zu hören und zu sehen können Barrieren für die Kommunikation und die aktive Teilnahme an der Behandlung darstellen. Das Bewusstsein dafür, wie die Strahlentherapie diese Funktionen beeinträchtigen kann, ermöglicht eine durchdachtere Prothesengestaltung und eine bessere Patientenversorgung. Dieser Vortrag beleuchtet die Auswirkungen der Strahlentherapie auf Weichgewebe, Knochen und Zähne – mit besonderem Schwerpunkt auf Haut sowie Nasen- und Mundschleimhaut – und erörtert zudem die Patientenbeurteilung sowie Aspekte der Prothesenverankerung.

Referent: 

  • Erin O’Fiel Stevens
  • Erin Stevens, MS, CCA, ist zertifizierte klinische Anaplastologin. Im Jahr 2010 erwarb sie einen Master of Science in Biomedical Visualization an der University of Illinois at Chicago, wo sie am UI Health Craniofacial Center auch ihre Ausbildung zur Anaplastologin absolvierte. Sie war klinisch bei Prosthetics at Graphica Medica (Minneapolis/St. Paul, MN) und Medical Art Resources (Milwaukee, WI) tätig. 2025 kehrte sie an das UI Health Craniofacial Center zurück, um dort als klinische Anaplastologin im multidisziplinären Team zu arbeiten.
  • Darüber hinaus ist Erin Stevens als Clinical Assistant Professor und Betreuerin von Forschungsarbeiten im Masterstudiengang „Biomedical Visualization“ an der UIC tätig und leitet dort den Schwerpunktbereich Anaplastologie. Derzeit fungiert sie als Präsidentin des Walter Spohn Trust (WST), einer gemeinnützigen Organisation, die Fördermittel vergibt sowie Aus- und Weiterbildung und Forschung im Bereich der Anaplastologie unterstützt. Zudem ist sie ehemalige Präsidentin und Vorstandsmitglied der International Anaplastology Association (IAA) und leitet aktuell deren Bildungsausschuss (Education Committee).
  • Zu ihren vielfältigen Forschungsinteressen gehören der Einsatz von 3D-Bildgebungs- und Drucktechnologien in anaplastologischen Arbeitsabläufen, die Aus- und Weiterbildung in der Anaplastologie, innovative Ansätze zur Prothesenbefestigung bei komplexen anatomischen Defekten sowie – was am wichtigsten ist – das Verständnis, die Gestaltung und die Verbesserung der Patientenerfahrung.

Einrichtung / Institut / Klinik: 

  • University of Illinois at Chicago
  • 811 S. Paulina Street
  • Chicago, Illinois, 60612, USA

Andere Programmpunkte: